Gewässerwartschulung in Sindringen

Am 25. Juli 2004 fand in Sindringen am Kocher, auf Einladung der Hegegemeinschaft Kocher, eine Gewässerwartschulung statt. Thema war, biologische Gewässeruntersuchung und Einschätzung der Gewässerqualität. Durchgeführt wurde die Schulung von Dr. Berthold Kappus und Diplombiologe Marco Sander. Teilgenommen haben Ingo Gebert ( Sindringen), Marcus Schmidt ( FV Heilbronn ), Jochen Fahrian ( SFV Abtsgmünd ), Marianne Frank ( ASV BFH. Kochendorf), Karl Abel ( HFV Künzelsau ), Elmar und Ralf Baierschmitt ( HFV Künzelsau), Wilfried Hirschläger ( SFV Gochsen ) Zeitweise hatten wir noch Besuch von H. Wolfgang Sitter (VfG).

Begonnen haben wir mit einer sehr intensiven und fundierten Einweisung in die Welt der Gewässerbiologie durch H. Dr. Kappus. Aufkommende Fragen zu diesem doch sehr komplexen Thema wurden sofort bis aufs Detail durchgesprochen. Nach ca. 2 Stunden gingen die Teilnehmer ans Wasser um das erlernte in die Praxis umzusetzen. Innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens wurden, von den zuvor gebildeten Gruppen, verschiedene Strukturformen wie Sand, Kies, grobe Steine, Wasserpflanzen und Totholz nach den vorkommenden Organismen durchsucht. Nach Ablauf des Zeitrahmens traff man sich wieder um die Fänge zu sichten, bestimmen und nach Ihrer biologischen Wertigkeit zu einzuteilen. Gefunden und bestimmt wurden folgende Organismen:

Gewässerbiologische Schulung Hegegemeinschaft Kocher

am 25 Juli 2004 in Sindringen

  Untersucht wurde das Mutterbett unterhalb des Wehrs in Sindringen. Dazu wurden 3 Gruppen eingeteilt, die jeweils für 30min, dass ihnen zugewiesene Habitat beprobten. Die Tiere wurden im Anschluss bestimmt, die Häufigkeit (H) wurde in einem ersten Schritt in 3 Stufen angeben, wobei folgende Abstufung gewählt wurde:

                                                           1 = vereinzelt

                                                           2 = mäßig zahlreich

                                                           3 = zahlreich

 

Gruppe1: Habitat Wasserpflanzen

Nr.

Gattung, Art

Deutscher Name

Stamm

H

1

Myriophyllum spicatum

Ähriges Tausendblatt

Pflanzen

3

2

Iris pseudacorus

Wasser-Schwertlilie

Pflanzen

1

3

Phalaris spec.

Rohrglanzgras

Pflanzen

3

4

Hydropsyche spec.

Wassergeistchen

Köcherfliegen

3

5

Polycentropus spec.

Gelbe Köcherfliege

Köcherfliegen

3

6

Leptocerus spec

 

Köcherfliegen

2

7

Baetis spec.

Glashaft

Eintagsfliegen

3

8

Caenis spec.

Wimperhafte

Eintagsfliegen

2

9

Potamanthus luteus

Gelbhaft, Fluß-Eintagsfliege

Eintagsfliegen

2

10

Orectochilus villosus

Bach-Taumelkäfer

Käfer

3

11

Chironomidae

Rote Zuckmückenlarven

Zweiflügler

2

12

Simuliidae

Kriebelmückenlarven

Zweiflügler

3

13

Nepa rubra

Wasserskorpion

Wanzen

1

14

Aphelocheirus aestivalis

Grundwanze

Wanzen

2

15

Gerris lacustris

Gemeine Wasserläufer

Wanzen

3

16

Calopteryx virgo

Blauflügel Prachtlibelle

Libellen

3

17

Viviparus spec.

Sumpfdeckelschnecke

Weichtiere

3

18

Potamopyrgus antipodarum

Neuseeländische Zwergdeckelschnecke

Weichtiere

2

19

Bithynia tentaculata

Langfühlerige Schnauzenschnecke

Weichtiere

2

20

Nais spec

 

Wenigborster

2

21

Limnochares aquatica

Sackmilbe

Spinnentiere

2

22

Gammarus roeseli

Flußflohkrebs

Krebse

3

23

Orconectes limosus

Kamberkrebs

Krebse

3

 

Gruppe 2: Habitat Kies

Nr.

Gattung, Art

Deutscher Name

Stamm

H

1

Hydropsyche spec.

Wassergeistchen

Köcherfliegen

3

2

Rhyacophila spec.

 

Köcherfliegen

3

3

Polycentropus spec.

Gelbe Köcherfliege

Köcherfliegen

2

4

Halesus spec.

 

Köcherfliegen

2

5

Cheumatopsyche spec.

 

Köcherfliegen

2

6

Leuctra spec.

Nadel-Steinfliegen

Steinfliegen

2

7

Potamanthus luteus

Gelbhaft, Fluß-Eintagsfliege

Eintagsfliegen

2

8

Orectochilus villosus

Bach-Taumelkäfer

Käfer

3

9

Erpobdella octoculata

Roll-/Hundeegel

Egel

3

10

Eiseniella tetraedra

Vierkantwurm

Wenigborster

2

11

Tubifex tubifex

Schlammröhrenwürmer

Wenigborster

2

12

Atherix spec

Ibisfliegenlarve

Zweiflügler

2

13

Radix spec.

Schlammschnecke

Schnecken

2

14

Sphaerium corneum

Hornfarbene Kugelmuschel

Weichtiere

3

 Gruppe 3: Habitat Steine

Nr.

Gattung, Art

Deutscher Name

Stamm

H

1

Hydropsyche spec.

Wassergeistchen

Köcherfliegen

3

2

Halesus spec.

-

Köcherfliegen

1

3

Rhyacophila spec.

(„ledrige Puppen“)

Köcherfliegen

2

4

Polycentropus spec.

Gelbe Köcherfliege

Köcherfliegen

2

5

Baetis spec.

Glashaft

Eintagsfliegen

3

6

Caenis spec.

Wimperhafte

Eintagsfliegen

2

7

Potamanthus luteus

Gelbhaft, Fluß-Eintagsfliege

Eintagsfliegen

1

8

Ecdyonurus venosus

Aderhaft

Eintagsfliegen

1

9

Leuctra spec.

Nadel-Steinfliegen

Steinfliegen

2

10

Asellus aquaticus

Wasserassel

Krebse

2

11

Triops spec.

Urkebse

Krebse

1

12

Gammarus roeseli

Flußflohkrebs

Krebse

2

13

Orconectes limosus

Kamberkrebs

Krebse

3

14

Oulimnius spec.

Hakenkäfer

Käfer

1

15

Limnius spec

Hakenkäferlarve

Käfer

2

16

Simuliidae

Kriebelmückenlarven

Zweiflügler

3

17

Rheotanytarsus spec.

Schlammröhrenwürmer

Zweiflügler

1

18

Theodoxus fluviatilis

Gemeine Kahnschnecke

Weichtiere

2

19

Bithynia tentaculata

Langfühlerige Schnauzenschnecke

Weichtiere

3

20

Erpobdella octoculata

Roll-/Hundeegel

Egel

2

21

Pisidium amnicum

Große Erbsenmuschel

Weichtiere

2

22

Sphaerium corneum

Hornfarbene Kugelmuschel

Weichtiere

3

Zur Berechnung der biologischen Güteklasse wurde die Häufigkeitseinteilung noch feiner unterteilt è Häufigkeitsangabe (H):

                                               0,5 = Einzelfund

                                               1,0 = vereinzeltes Vorkommen

                                               1,5 = vereinzeltes bis mäßig häufiges Vorkommen

                                               2,0 = mäßig häufiges Vorkommen

                                               2,5 = mäßig häufiges bis häufiges Vorkommen

                                               3,0 = häufiges Vorkommen

                                               3,5 = sehr häufiges Vorkommen

                                               4,0 = massenhaftes Vorkommen

Nr.

Gattung, Art

H

Gf

P

1

Steinfliegenlarven außer Nemoura

2,0

1,0

2

2

Eintagsfliegenlarven, Fam. Heptageniiade

1,5

1,3

1,95

3

Hakenkäfer (Elmis maugei)

2,5

1,5

3,75

4

Flussschwimmschnecke (Theodoxus)

1,5

1,5

2,25

5

Köcherfliegenlarven ohne Köcher (ohne Hydropsyche) oder Köcher bis 1,5cm Länge

3

1,5

4,5

6

Eintagsfliegenlarven, Fam. Ephemerellidae

2,0

1,7

3,4

7

Eintagsfliegenlarven, Ephemera spec.

1,5

1,7

2,55

8

Erbsenmuschel (Pisidium)

1,0

1,8

1,8

9

Zuckmückenlarven mit kelchigem Gehäuse à Rheotanytarsus

2,5

1,8

4,5

10

Plattenegel, Fam. Glossiphoniidae

1,0

2,0

2

11

Alle anderen Eintagsfliegenlarven

3,0

2,0

6

12

Alle anderen Köcherfliegenlarven

2,0

2,0

4

13

Bach- und Flussflohkrebse

3,0

2,0

6

14

Alle anderen Strudelwürmer

1,5

2,0

3

15

Bachtaumelkäfer

4,0

2,0

8

16

Federkiemenschnecken

4,0

2,0

8

17

Langfühlerige Schnauzenschnecke

3,0

2,3

6,9

18

Kriebelmückenlarve und –puppe

3,0

2,3

6,9

19

Schlammschnecken und Kugelmuscheln

4,0

2,5

10

20

Wasserassel

3,0

3,0

9

21

Rollegel

2,5

3,0

7,5

22

Rote Zuckmückenlarven (Chironomus)

1,5

3,8

5,7

23

Schlammröhrenwürmer (Tubifex)

1,5

3,8

5,7

Summe

54,5

 

115,4

GfI = Gütefaktor, P = Produkt aus H x Gf

 

 

Saprobienindex (SI) = Summe P / Summe H = 115,4 / 54,5 = 2,12

 

Nach Auswertung unserer Proben ergibt sich für den untersuchten Abschnitt ein Saprobienindex von 2,12, was der biologischen Güteklasse II entspricht. Der Kocher ist unterhalb des Wehrs Sindringen also mäßig belastet. Wie von Dr. Kappus in der theoretischen Einführung erläutert wurde, kann ein sommerwarmes Gewässer (überschreitet die 15°C Marke im Sommer) niemals Güteklasse I oder I – II erreichen. Die dafür notwendigen chemisch/physikalischen Kriterien wie niedrige, konstante Temperaturen, hoher Sauerstoffgehalt usw. können aus natürlichen Gründen nicht eingehalten werden und somit die typischen Zeigerorganismen (Indikatoren) in einem solchen Gewässer auch nicht (über)leben. Wertgebende Arten sind vor allem die sehr seltene Gemeine Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis), die Nadelsteinfliegenlarve (Leuctra. spec.), die Köcherfliegenlarve Rhyacophila spec. sowie bundesweit geschützte Klein- und Großlibellenlarven.

Der Kocher ist biologisch gesehen für die gegebenen Umstände in einem guten Zustand. Sicherlich kann durch weitere Reduzierung des Stickstoffs- und Phosphateintrags z.B. in der Landwirtschaft die Wasserqualität und biologische Güte weiter verbessert werden. Ebenso kann sich die Güte durch Anlegen weiterer Strukturverbesserungen im Gewässer erhöhen (Bildung neuer Habitate durch Totholzeintrag, Steinschüttungen in z.B. Buhnen, Sauerstoffeintrag durch Schnellen und kleiner Stürze, etc.). Der Anstieg der aquatischen Artenvielfalt in den letzten zehn Jahren ist ein deutliches Anzeichen, dass sich die Wasserqualität wesentlich verbessert hat. Ein Schwerpunkt für die Zukunft wird vor allem in Strukturverbesserungsmaßnahmen und Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit an unseren stark verbauten Gewässern liegen.

 

Obwohl die Teilnehmerzahl etwas zu wünschen übrig ließ, kann man die Veranstaltung als vollen Erfolg werden. Alle Teilnehmer konnten doch etwas Wissen für die Praxis mit nach Hause nehmen. Besonderer Dank an Dr. Kappus und H. Sander die sich die Mühe gemacht und die Zeit genommen haben. Dank auch an den Fischereiverein Sindringen, der sein Gewässer und sein Vereinsheim zur Verfügung gestellt haben. Nun noch einige Bilder zur Schulung: