Tausende Fische wurden in die Irre geführt
Von Manfred Dod
Fische unternehmen zur Aufrechterhaltung ihrer biologischen Funktionen teilweise lange Wanderungen. So auch, und das schon seit ewigen Zeiten, an den heimischen Flüssen wie Kocher und Jagst. Allerdings stellen sich den Tieren hier manche Hindernisse in den Weg.
Die Wehre der Kraftwerke, im Bild die Anlage in Siglingen, sind Barrieren für die Fische auf ihren biologisch wichtigen Wanderungen.
Die zuständigen Behörden, Vereine und Hegegemeinschaften sind um das Wohl und den Fortbestand der Wasserlebewesen bemüht. In der Oberamtsbeschreibung Neckarsulm von 1881 wurde festgehalten, dass vor über 100 Jahren sogar heringsartige Maifische von der Nordsee kommend in großer Zahl im Kochendorfer Wehr vorgefunden wurden. Sie ragten aufgrund des Massenvorkommens dicht gedrängt mit dem Rücken aus dem Wasser und konnten mit bloßen Händen gefasst werden.
Die Wehre der Kraftwerke sind demzufolge für die Fische eine zumeist unüberwindbare Barriere auf ihren Wanderungen. Um dieser Situation entgegenzuwirken, wurden in den letzten Jahren so genannte Fischaufstiegsmöglichkeiten, die auch unter der Bezeichnung Fischtreppen bekannt sind, gebaut. Diese Einrichtungen, von denen es verschiedene Konstruktionsvarianten gibt, sind gegenwärtig nur in den wenigsten Fällen in ausreichendem, beziehungsweise funktionsfähigem Maße vorhanden.
Anlässlich einer Netzbefischung zum Jahresbeginn im Kocherkanal von Bad Friedrichshall stellten die Biologen Berthold Kappus, Siglingen, und Marco Zander, Untereisesheim, in Zusammenarbeit mit Vertretern des örtlichen Fischereivereins sowie des Gewässerschutzes fest, dass sich seit Weihnachten Tausende von Fischen im Unterwasser des Kraftwerkes aufhalten. Vorwiegend handelt es sich hierbei um Weißfischarten, wie Rotaugen, Nasen, Gründlinge, Lauben und Döbel.
Durch das Fehlen einer Fischtreppe am Krafthaus und am Wehr ist die Wanderung und damit der lebensnotwendige genetische Austausch gestoppt. Zahlreiche Tiere sind in die Falle geraten und wurden durch die stärkere Strömung des Kanals fehlgeleitet.
Der große aus dem Neckar kommende Fischschwarm kann die Lebensräume des gesamten Kocherlaufes nicht erreichen. Die von den Experten als äußerst dramatisch eingeschätzte Situation am Kocherwehr ist vergleichbar mit weiteren Wehranlagen des Flusses, vor allem aber auch mit denen an der Jagst.
Die neuerdings gegründeten Fischerei-Hegegemeinschaften an Kocher und Jagst, denen Wilfried Hirschläger, Hardthausen, und Rolf Grimm, Züttlingen, vorstehen, haben sich der Problematik angenommen und sehen akuten Handlungsbedarf. Für einen rund 60 Kilometer langen Streckenabschnitt entlang der Jagst existiert ein Plan, der an jedem der Kraftwerke die entsprechende Maßnahme vorsieht.