Hall prescht mit Kocherregelung vor

Von Matthias Stolla

Der trockene Juli hat deutlich gezeigt, was passiert, wenn die Jagst wegen Niedrigwasser für Paddler gesperrt wird: Sie weichen auf den Kocher aus. Während das Landratsamt in Künzelsau noch überlegt, was zu tun ist, hat Schwäbisch Hall bereits reagiert: mit einer Pegeleverordnung.

„Egal, von welcher Brücke ich schaue, es ist immer Flachwasser“, sagt Brigitte Vogel. Sie ist Mitglied im Hohenloher Arbeitskreis des Landesnaturschutzverbands und hat zudem beobachtet: Auf dem Kocher herrscht reger Kanuverkehr. Und das, obwohl der Pegel zeitweise sogar unter 40 Zentimeter gefallen war.

Unterhalb dieser Grenze ist die Jagst im Hohenlohekreis für Kanuten gesperrt. Für den Kocher gibt es bislang keine Regelung, nicht zuletzt weil sein ökologischer Wert geringer eingestuft wird als der der Jagst. Sehr zum Verdruss von Brigitte Vogel, die sich auch für den Schwesterfluss der als weitgehend naturbelassen anerkannten Jagst eine entsprechende Schutzverordnung wünscht. Denn: „Es gib auch am Kocher Steiluferzonen, wo der Eisvogel brütet.“

Markus Ziegler, Fachdienstleiter Umweltschutz im Künzelsauer Landratsamt, bestätigt die Beobachtung: „Am Wochenende bei gutem Wetter ist eine Frequentierung da.“ Es wird eifrig gepaddelt auf dem Kocher oder eben geschleppt, wenn das Wasser fehlt. Dann schrammen die Kanus über Kiesinseln und Uferstreifen und machen so Kleinlebewesen und Pflanzen platt.

Das Problem war bereits am 27. April in Künzelsau Thema der „Jagstkommission“, einem Gremium in den neben den Verwaltungen der drei Landkreise Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Heilbronn auch Naturschützer, Paddler und Fischer vertreten sind. Schon damals wurde der Handlungsbedarf erkannt, zumal die Gemeinde Braunsbach im Kreis Hall mit einer Regelung vorgeprescht war.

Im Landratsamt in Künzelsau sei „klar, dass wir gehalten sind, in die Gänge zu kommen“, sagt Markus Ziegler. Es sei allerdings „noch nicht ganz raus, ob es sinnvoll ist, eine Regelung zu treffen“, erklärt Ziegler, „wir sind dabei, das fachlich zu untermauern. Ziel ist, dass man bis 2007 weiß, was Sache ist.“ So lange wollte das Landratsamt in Schwäbisch Hall nicht warten. Noch im heißen trockenen Juli 2006 erließ die Kreisverwaltung zwei Verordnungen: Zuerst eine, die das Paddeln unterhalb vom Braunsbacher Wehr untersagt, sobald der Pegel Kocherstetten unter 60 Zentimeter liegt. Dann eine, die den gesamten Kocher im Kreis Hall sperrt, sobald der Pegel unter 40 Zentimeter fällt. Das entspricht im wesentlichen der Pegeleregelung für die Jagst im Hohenlohekreis. Warum war Schwäbisch Hall schneller? „Nach der großen Hitze und Trockenheit war klar, dass wir schnell handeln müssen“, sagt Matthias Rimek, zuständig für Oberflächengewässer im Haller Landratsamt und ergänzt: „Wir hatten die Daten bereits 2005 erfasst.“ Das Ergebnis: „40 Zentimeter ist der absolute Minimal-Wasserstand, bei dem man noch fahren kann. Das wurde uns auch von den Kanu-Verleihern bestätigt.“ Die Regelung werde sowohl von den Kanu-Verleihern als auch von den Vereinen mitgetragen, sagt Rimek: „Die fahren bei Niedrigwaser nicht.

Mit genügend Wasser unterm Kiel ist das Paddeln auf dem Kocher ein Vergnügen. Bei Niedrigwasser macht Hall den Fluss jetzt dicht. (Foto: Archiv/M. Stolla)