Am Kocher kocht der Unmut über die Kanus hoch

Von Matthias Stolla
Viele Menschen wollen den Fluss. Naturschützer, Kanuverleiher, Kanuverbände, Behörden und Fischer unter einen Hut zu bringen, ist schwierig. In Künzelsau saßen sie zumindest an einem Tisch. Während an der Jagst Friede eingekehrt, raucht es am Kocher.
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 Paddeln auf dem Kocher ist für viele Paddler die Lösung, wenn die Jagst wegen Niedrigwasser gesperrt ist. Manchmal für zu viele. (Foto: Archiv/Matthias Stolla)

Von Matthias Stolla

„Es gibt ein neues Feld zu beackern“, sagte der Erste Landesbeamte Hans-Günter Lang bei der Sitzung der Jagstkommission im Künzelsauer Landratsamt. Rund zwei dutzend Interessenvertreter saßen als Expertenrunde beisammen, um über Kocher und Jagst zu reden.

Was die Jagst angeht, zog Lang eine positive Bilanz: „Die Pegelregelung funktioniert.“ Der „vernünftige Kompromiss“ zwischen Naturschutz und Kanu-Tourismus habe „eine gewisse Akzeptanz gefunden“. Statt wie früher bis zu 500 Boote pro Tag, seien jetzt an Spitzentagen 100 auf dem Fluss unterwegs, berichtete Achim Megerle vom Fachdienst Umweltschutz.

Wie immer bei einem Kompromiss sind nicht alle vollständig zufrieden. Das Geschäft mit Radtouristen, die aufs Kanu umsteigen, sei „total weggebrochen, weil das nicht mehr buchbar ist“, sagte Norbert Hirsch vom Heuhotel in Dörzbach. Hans-Günter Lang äußerte Verständnis: Wann der Pegel Dörzbach unter 40 Zentimeter falle, sei eben kaum vorhersehbar.

Zumal es am Kocher immer noch das eine oder andere schwarze Schaf unter den Kraftwerksbetreibern gebe, räumte Matthias Rimek vom Landratsamt in Hall ein: „Die fahren ihr Kraftwerk im Schwallbetrieb.“ Das verursacht starke Pegelschwankungen und ist verboten. Das Landratsamt sei ihnen auf der Spur, erklärte Rimek: „Wir versuchen, den Kreis enger zu ziehen.“

Es gibt aber auch Kanufahrer, die einen höheren Pegel befürworten: die in organisierten Verbänden. „Wir brauchen mehr Wasser, damit wir überhaupt fahren“, sagte Achim Waschek vom Kanuclub Hohenlohe. So mancher Paddeltourist komme damit aber nicht klar, klagte er: „Die fahren rückwärts das Wehr hinunter, und wir dürfen sie dann rausziehen.“ Von den Verleihern forderte Wascheck mehr Verantwortungsbewusstsein: „Das könnt ihr nicht machen.“ Wolfgang Riegler, Verleiher in Krautheim, entgegnete: „Wir geben vorher immer eine kurze Einweisung.“

Weil wegen der Jagstverordnung immer mehr Paddler auf den Kocher ausweichen, zeigt sich inzwischen dort mehr Handlungsbedarf für die Kommission. Das Ziel sei eine einheitliche Regelung für die drei Landkreise am Kocher, Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Heilbronn, erklärte Werner Zacharidis vom Landratsamt in Heilbronn.

So eine Regelung gibt es nicht. Und nicht alle scheinen darauf warten zu wollen. Die Gemeinde Braunsbach ist vorgeprescht. Lang hat Zweifel, „ob das so in Ordnung ist.“ Anfang des Jahres hatte der Gemeinderat neue Regeln für Kanufahrer beschlossen. Künftig sind in Braunsbach nur noch eine Ausstiegs- und eine Einstiegsstelle zulässig. Das Pikante daran: Die Gemeinde hat die Einstiegsstelle verpachtet. Der Pächter wird dort maximal 50 bis 60 Boote zulassen und kassiert pro Boot fünf Euro. Lang hält das „aus Wettbewerbsgründen für fraglich“, zumal vermutet wurde, der Pächter beabsichtige, selbst Boote zu verleihen. „Das gleicht einer Sperrung des Flusses für andere Betriebe“, fand Werner Schütze vom Bundesverband Kanutourismus: „Die Gemeinde muss mit einer harten Klage rechnen.“