41 000 Fische aus dem Wasser geholt
Von Rainer Köller
Gerade einmal eineinhalb Jahre alt ist die Hegegemeinschaft Kocher und schon liegt ein umfangreiches, interessantes Werk bereit, das durchaus seinesgleichen sucht.


Die Fischer entlang des Kochers hatten sich zur Aufgabe gemacht, zu untersuchen, auszuwerten und zu verbessern: Denn viel kann an so wertvollen und komplizierten Naturwerk wie einem Fluss durch Unachtsamkeit und Gleichgültigkeit zerstört werden.
"Der Fluss ist überall ein gutes Fischwasser. Er war früher im oberen Lauf sehr reich an Forellen, besonders die oberen 15 Kilometer. Dies hat jetzt aufgehört, seitdem Papierfabriken Chlorwasser, Eisenwerke Schwefelsäure, Färbereien und Gerbereien andere giftige Stoffe in den Fluss ableiten." Diese Zeilen stammen von dem Fischereibiologen Max von Borne und wurden 1881 verfasst.

Über einhundert Jahre lang brauchte der Mensch, bis er es schaffte, ein Einsehen mit der Natur zu haben - in diesem Fall mit dem Kocher. Inzwischen gibt es wieder Flusskrebse, Muscheln und andere Indikatoren im Flussbett, die darauf hinweisen, dass der Nebenfluss des Neckars lebt. Wolfgang Sitter, der Bereichsleiter Unterland/Hohenlohe des Verbandes für Fischerei und Gewässerschutz in Baden Württemberg e.V. stellte die Idee einer Hegegemeinschaft entlang des Kochers vor und führte dann, nachdem er nahezu alle Beteiligten vom Nutzen einer solchen überzeugt hatte, die formelle Gründung im August 2003 durch.

Vorsitzende wurden der Kochersteinsfelder Wilfried Hirschläger und der Diplom-Biologe Marco Sander aus Untereisesheim. Durchsucht wurden im vergangenen Jahr der Allgemeinzustand des Wassers und der Ufer, die chemischen Parameter, die Durchgängigkeit und der Fischbestand.


Die Elektro-Befischung von Boot aus ist die einfachste Art für die Fischer. Die Fischer werden untersucht und vermessen, dann geht es wieder ins Wasser.

Obwohl die Durchgängigkeit ein Punkt ist, der den Fachleuten Kopfzerbrechen bereitet, war das Ergebnis der Elektrobefischungen (siehe Info-Kasten) sehr erfreulich. Wilfried Hirschläger erklärt: "Auf einer Strecke von über 15 Kilometern wurde beprobt." Diese Untersuchungen erfolgten vom Boot aus oder watend im seichten Gewässer. Gefischt wurde mit einem Gleichstromgenerator.

Über 41 000 Fische wurden mit den E-Befischungen kurze Zeit aus dem Wasser geholt und begutachtet. Die Spitzenreiter waren die Rotaugen und der Gründling mit jeweils knapp 9000 und der Döbel mit fast 8000 Exemplaren. Am unteren Ende der Tabelle fanden sich der Zander, der Rapfen, der Kaulbarsch, der Karpfen und die Bachforelle. Nur 15 Forellen gerieten in die Hände der Fischer.

Insgesamt wurden 28 Fischarten gesichtet. Von vier anderen, der Zährte, der Quappe, dem Strömer und dem Moderlieschen weiß man, dass sie in geringer Zahl existieren. Was freute Wilfried Hirschläger besonders? "Wir fanden auch Fische wie die Kappe oder den Schneider, die auf der Roten Liste stehen."

Info: Informationen über die Hegegemeinschaft gibt es unter www.hege-kocher.de. Eine große Info-Veranstaltung über die Durchgängigkeit des Kochers, zu der schon Landtagsabgeordnete ihr Kommen zugesagt haben, findet am 12. März, ab 10 Uhr, am Kocherkanal beim Bad Friedrichshaller Züchterheim statt.