Dicke Aale aus dem Schlick gezogen

Von Rainer Köller

Knifflige Probleme und grandiose Erlebnisse waren eine Mischung, die den Puls der Gochsener Fischer bei der Fischbergung tagelang höher schlagen ließ. Welse, Karpfen, Muscheln und viele andere Arten sicherten die Fischer und bereiteten so den Kocherkanal für die Sanierung vor. Petrijünger von Künzelsau bis Kochendorf und aus Heilbronn waren im Einsatz.
Eine fünfstellige Zahl an Fischen von einem Zentimeter Größe bis hin zu zwei 1,30 Meter langen Welsen mit einem Gewicht von über 20 Kilogramm retteten die Kochertalfischer zusammen mit mehreren Wasserbiologen. Der Kocherkanal vom Gochsener Wehr bis zum Kraftwerk muss dringend saniert werden. Eigentlich war geplant, einfach den vorgesehenen Schieber in die Schienen einzulegen, und schon hätte es mit der Rettung der Fische losgehen können. "Dass der Sockel am Schieber wegbrechen würde, konnte niemand ahnen", stöhnte Wilfried Hirschläger, Vorsitzender des Gochsener Fischereivereins. Die Angler, die mit den Betreibern des Kraftwerkes, der Familie Endreß, die Aufgabe zusammen lösen wollten, mussten ihre eigentliche Arbeit erst einmal vertagen. Als dann Tage später weiter flussaufwärts ein Damm aufgeschüttet wurde, kam nur noch wenig Wasser, und der Kanal war begehbar. Allerdings nicht überall. Beim Einsteigen in den Morast wurde deutlich, warum eine Sanierung dringend notwendig ist. Der Schlick war stellenweise so tief, dass die Angler zum Teil stecken blieben und nur mit Hilfe von Freunden befreit werden konnten. Als der Wasserspiegel um mehr als drei Meter gesunken war, ermöglichte das den Blick auf die Wunderwelt des trüben Kochers.
Über 5000 Flussmuscheln retteten die Fischer aus den 300 Metern Flusslauf und setzten die zum Teil handtellergroßen Schalen im Kocher wieder ein. Die Fische wurden zum Teil per Elektrobefischung und dann mit großen Keschern aus den Restfluten geholt.
Die größten waren die Welse. Doch auch die Karpfen erwiesen sich als Schwergewichte. Einer erreichte sogar über zehn Kilogramm.Anette Dollmann registrierte die Arten, die gerettet wurden. Erfreulich war, so die Fischerin, dass sehr viele Barben im Laichalter registriert wurden. Schließlich ist die Barbe der Leitfisch des Kochers. Neben kapitalen Aalen mit einer Länge bis zu 80 Zentimetern retteten die Fischer der Hegegemeinschaft Kocher auch viele andere Arten.
Wilfried Hirschläger zog nach einer anstrengenden Woche Bilanz: "Das Ergebnis der Aktion lässt auf einen gut strukturierten, artenreichen Fischbestand im Kocher schließen." Auch Arten, die auf der Roten Liste stehen, wie der Gründling und der Schneider, scheinen wieder kräftig zu laichen, stellten die Fischer und Biologe Berthold Kappus fest. Nebenbei fanden die Fischer Toiletten, Fahrräder, Grabsteine und mehr.