Pressemitteilung der Fischereihegegemeinschaften Kocher und Jagst

Anlaß: Situation am Kocher in Kochendorf vom 02.01.2004 sowie andere Wehre an Jagst  und Kocher

An den Wasserkraftwerken im Landkreis werden die Fische fehlgeleitet

1000ende von Fischen stehen im Kochendorfer Mühlkanal und können  nicht weiter flussauf wandern weil funktionierende Fischpässe fehlen

 Fische unternehmen zur Aufrechterhaltung ihrer biologischen Funktionen teilweise lange Wanderungen in unseren Gewässern. So waren z.B. heringsartige Maifische  aus der Nordsee vor über 100 Jahren so zahlreich unter dem Kochendorfer Wehr im Frühjahr in so großen Mengen eingewandert, daß sie sich mit dem „Rücken aus dem Wasser drängten und mit den bloßen Händen zu greifen waren“, so die Ausführungen der Oberamtsbeschreibung von Neckarsulm aus dem Jahres 1881.

Fische wandern dabei nicht nur zur Laichzeit, sondern auch zu vielen anderen Zeiten. Hierbei stellen die vielen Querbauwerke - damals wie heute - eine zumeist nicht überwindbare Wanderbarriere dar.

Seit Weihnachten hielten sich über 6000 Fische, zumeist Weißfischarten wie Rotaugen und Döbel, im Unterwasserkanal des Kochendorfer Kraftwerkes auf.  Die Biologen Marco Sander (Untereisesheim) und Dr. Berthold Kappus (Siglingen) haben zusammen mit Vertretern des Kochendorfer Fischereivereins und dem Sprecher des Verbands für Fischerei und Gewässerschutz, Wolfgang Sitter (Lauffen) , eine Netzbefischung durchgeführt und festgestellt, daß es sich bei dem riesigen Fischschwarm um insgesamt 12 Arten handelte, darunter auch die seltenen Nasen und große Laichrotaugen. Aus dem Neckar kommend, sind sie auf ihrer Wanderung Kocher-aufwärts durch die stärkere Strömung hinter das Krafthaus geleitet worden – denn sie folgten dem Strömungssinn -  und kommen dort nicht weiter flussauf schwimmen. Eine Fischaufstiegsanlage fehlt hier – wie auch an praktisch allen anderen Kleinwasserkraftwerken in den Neckarzuflüssen in der gesamten Region.

Der genetische Austausch ist damit unterbunden. Die Fische können die durch Hochwasser und andere Ereignisse verlassenen Lebensräume, v.a. Laichplätze,  von oberhalb durch Barrieren nicht mehr erreichen und sind damit auch vom weiteren besiedeln des gesamten Kocherlaufes abgeschnitten. Ein weiteres Problem kommt hinzu: In der ökologisch wertvollen Mutterbettstrecke ist wegen übermäßiger Wasserableitung am Wehr zum Zweck der Energienutzung häufig kein Wasser oder nur eine sehr ungenügenden Restwassermenge vorhanden.

Zwar ist an einigen Wehranlagen am Wehr am Kocher bereits eine Fischaufstiegsanlage erstellt worden, so. z.B. in Möglingen und Sindringen, jedoch  fehlen an den meisten Kraftwerken funktionierende Wanderhilfen, die den unterschiedlichen Schwimmleistungen  der Fische Rechnung trägt. Die Situation am Kocher ist damit derjenigen der Jagst am untersten Wehr in Duttenberg vergleichbar. Diese dramatische Situation betrifft damit die größten der beiden baden-württembergischen Neckar-Zuflüsse, wo eine Aufwärtswanderung vom Strom in den Fluß vollständig unterbunden ist.

Die gegründeten Fischereihegegemeinschaften an Kocher und Jagst mit den beiden Sprechern Wilfried Hirschläger (Gochsen) und Rolf Grimm (Züttlingen) haben sich dieser Problematik angenommen und sehen einen hohen Handlungsbedarf. An der Jagst liegt hierzu bereits ein  fischereilicher Hegeplan für rund 60 km Strecke vor, der an jedem Wehr entsprechende Maßnahmen beschreibt.

Fischökologische Anforderungen zu Verbesserung der Situation an Kocher und Jagst  sind:

1)     Erstellung einer naturnahen Fischauftstiegsanlage am Wehr in Verbindung mit der Festlegung einer ausreichenden und dynamischen Mindestwassermenge im Mutterbett und Lockstromverbesserung an der Einmundung des Unterwasserkanals (bei Ausleitungen)

2)     Erstellung eines zweiten  - technischen - Fischaufstieges am Krafthaus.

 

Hier einige Bilder die wir während einer Netzbefischung mit Keschern zur Bestandsanalyse vor dem Krafthaus geschossen haben.